Texte aus der Schreibwerkstatt

Tanz

Ringel Ringel Feuertanz

 

Tanzen ist eine runde Sache und nicht unbedingt auf uns Menschen reduziert.

Man muss nicht immer selber tanzen, um die Tanzenergie zu spüren. Manchmal kann man auch anderen dabei zusehen, oder einfach davon träumen. Etwa so…

 

Es ist warm, es ist dunkel, es ist Sommer auf einer Waldlichtung.

In der Mitte tanzt das Feuer und rundherum tanzen sie: große Menschen, kleine Menschen, junge Menschen, alte Menschen…leichtfüßig hüpfend, erdig stampfend,  manchmal auch humpelnd und schnaufend…aber immer fröhlich! Kneift man die Augen etwas zu, könnte man meinen, es hätten sich auch ein paar Zwerge dazugesellt.

Das Dudeln und Fiedeln der Musiker erreicht ihre Füße ohne Umwege – und auch die kleinsten Füßchen scheinen instinktiv zu fühlen, wie sie sich am besten drehen und wenden, hüpfen, fliegen und landen sollen.

Klitzekleine Feuerfunken wirbeln wild umher, schrauben sich schneller und schneller in den Nachthimmel hinein und scheinen die ersten Strahlesterne der Nacht zum Mittanzen auffordern zu wollen.

 

In einigem Abstand, verborgen hinter Beerensträuchern, veranstalten die Glühwürmchen ihren eigenen Tanzabend, was wiederum Igel und Mäuse neugierig bestaunen. Es dauert nicht mehr lange und sie trippeln mit, huschend zwar, doch nicht weniger fröhlich als wir.

Hoch über ihnen hockt erhaben ein Kauz und wippt taktgebend mit dem Kopf hin und her.

 

Schlussendlich tänzeln die Allerkleinsten, die Ameisen, an und freuen sich

über die Grillbrotkrümel der Menschen und die winzigen Saftpfützen,

wenn alle anderen bereits mützen.

 

Christa W., Schlierbach


Tanz des Lebens

 

Sämtliche Versuche von mir, sogenannte Standardtänze zu lernen, gingen daneben. Das erste Mal mit ca. 17 Jahren in der damals obligatorischen Tanzschule, gefolgt von diversen Kursen in späteren Jahren. Nie konnte ich mir feste Schrittabfolgen merken. Selbst wenn es mir jemand vormachte, hatte ich Mühe, es räumlich für mich umzusetzen. Früher war es mir unangenehm, weil anscheinend alle um mich herum keine Probleme hatten, sich festgelegte Schritte und Umdrehungen zu merken. Schnell war ich dann diejenige, die die ganze Gruppe aufhielt mit ihren Nachfragen.

Kein schönes Gefühl!

Später besuchte ich verschiedene Workshops und entdeckte eine ganz andere Art von Tanz, der frei und ohne enge Vorgaben funktionierte. Es war herrlich, sich ganz der Musik und den freien Bewegungen meines Körpers zu überlassen, ohne dass etwas richtig oder falsch war oder der äußere Anschein eine Rolle spielte. Dies war meine Art von Tanz, eine Ausdrucksmöglichkeit für Körper und Seele, in der ich einfach ich selbst sein konnte. Enge Vorgaben funktionieren einfach nicht für mich – und so ist es in vielen Bereichen meines Lebens.

 

Rihab D., Offenbach am Main, Deutschland


TANZ

 

Tanzschuh - Tanz mit Schuh - schön sein - sich "herrichten" - so-muss-es-sein.....

Entspreche ich? Werde ich gewählt werden? Werde ich zum Mauerblümchen?

Rot wie die Liebe sind die Federn....

Federkleid, weg mit dem Kleid, weg mit den Schuhen - pur und nackt sein, nackt um das Feuer tanzen, nackt übers Feuer springen!!!

Tanzschule, Männlein, Weiblein, Konvention, Regeln, Tanzschritte, ungewohnte Kleidung, ungewohnte Schuh, vielleicht "übrig bleiben", keine Freude, nur Stress, Angst, Langeweile.

Sich nicht zu Hause fühlen im eigenen Körper - Entfremdung....

Barfuß tanzen, die Melodie hören, den Rhythmus spüren, tun was ich will - bewegen oder ruhen,

langsam oder schnell, aufrecht oder gebückt, springend oder drehend, bestimmt oder sanft...

Mich hingeben.....

Was höre ich? Was spüre ich? Wie werde ich mich bewegen?

Tanze ich meinen Tanz nur für mich, trete ich in Kontakt?

Was zieht mich an? Die Wand? Der Boden? Ein Tänzer, eine Tänzerin, eine Gruppe?

Wohin bewege ich mich, welche Kreise und Linien ziehe ich?

Bequeme Kleidung - ich will nicht eingeengt sein.

Ich will meinen ureigenen Ausdruck finden.

Ich spüre Leben, Trauer, Wut, Fröhlichkeit, überschäumende Freude, Lebenskraft.

Ich traue mich, ich zeige mich. Ich erlaube mir, so zu sein, wie ich in diesem Moment bin - ohne Scheu, ohne Planung, ohne Entwurf, ohne Scham.

ICH BIN IN MIR, ICH ZEIGE MICH UND BIN FREI.

 

Maria E.-Sch., Graz